Fertig mit dem Studium und was dann?

Fertig mit dem Studium und was dann?

Heute wird es keinen Pinterest Inspirationspost geben. Ihr habt jetzt schon eine kurze Weile nicht mehr so viel von mir gehört und wer mir auf Instagram und Snapchat folgt, hat vielleicht auch ein wenig mitbekommen wieso. Ich habe mich dazu entschlossen, heute keine DIY-Anleitung zu schreiben, sondern euch einen kleinen Einblick in mein Leben zu geben, weil mir das sehr am Herzen liegt und ich hoffe, dass es vielleicht anderen hilft, die in einer ähnlichen Situation sind oder noch kommen.

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Wie geht es weiter, wenn man nach jahrelangem Studium endlich fertig ist?

Es geht um die große Frage, wie es weiter geht, wenn man nach jahrelangem Studium endlich fertig ist. Ich habe meinen Master in Geologie letztes Jahr im Mai an der FU Berlin beendet  und habe dann noch bis Oktober an der Uni als studentische Hilfskraft gearbeitet. Doch dann war da dieses große schwarze Loch der Unwissenheit…

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Mein Studium war sehr wissenschaftsorientiert. Wissenschaft bedeutet, alle paar Jahre an einem anderen Ort zu sein, ständig neue Menschen kennenlernen und zum größten Teil befristete Jobs. Ich habe es geliebt zu forschen und ich habe die Geologie geliebt. Das Studium war wunderbar und ich würde es nicht missen wollen, aber schon anfang letzten Jahres während ich mitten in meiner Masterarbeit steckte, habe ich den Entschluss gefasst, dass ich in Berlin bleiben möchte und das meine Priorität ist. Ich wollte nicht die Wissenschaft über diesen Wunsch stellen. Das lag vor allem an den oben genannten Umständen, die so typisch sind, wenn man in der Forschung arbeitet. Ich wusste, dass ich nicht alle paar Jahre woanders arbeiten wollte und immer wieder die Angst haben wollte, arbeitslos zu sein, weil die Anzahl der Jobs begrenzt sind. Und in meinem Kopf schwirrte immer diese Frage, wie ich jemals sesshaft werden sollte, wenn ich alle 3-4 Jahre in einer anderen Stadt oder sogar anderem Land sein sollte. Damals hatte ich noch keine Beziehung und trotzdem wusste ich, dass ich all dem entgehen möchte, so sehr ich die Wissenschaft auch liebe.

Vielleicht werde ich das in einigen Jahren bereuen…

Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten und sie nach ihrer Meinung gefragt, darunter auch Wissenschaftler, die mitten in ihrer Karriere steckten, selbst Familie haben. Vor allem diese Personen konnten meine Ängste verstehen. Natürlich gab es auch die anderen, teils meine engsten Freunde, die meine Entscheidung gar nicht nachvollziehen konnten. Die sich Sorgen machen, dass ich es bereuen könnte. Ich habe auch Angst davor, dass ich es bereuen könnte. Immerhin schmeiße ich da ein jahrelanges Studium und Wissen weg. Das ist keine Kleinigkeit und ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht. Vielleicht werde ich das in einigen Jahren bereuen, aber ich kann nur nach meinen Wünschen jetzt handeln. Und genau jetzt, möchte ich hier in Berlin bleiben, ohne Wissenschaft.

Die Wissenschaft ist kein leichtes Pflaster und vielleicht ist mir zu sehr der Gedanke des ‘Wissen schaffens’ verloren gegangen. Es geht nur noch um Gelder, Projekte und irgendwie auch Macht. Ich sehe mehr Konkurrenzdenken als Zusammenarbeit. Wenn du nicht regelmäßig wissenschaftlich wertvolle Beiträge publizierst, hast du verloren. Natürlich ist es ein wahnsinnig tolles Gefühl zu publizieren. Aus meiner Masterarbeit resultierte ein Paper/wissenschaftlicher Artikel auf dem mein Name steht. Ich würde lügen, wenn mich das nicht mit Stolz erfüllt, aber reicht das? Ich habe für mich nicht das Gefühl, dass mich das auf Dauer genug erfüllen würde.
Trotzdem finde ich es toll, dass es so viele Wissenschaftler gibt. Ich weiß, dass all meine Freunde und Bekannte, die ich während des Studiums kennengelernt habe und die in der Forschung aktiv sind, das mit solch einer Leidenschaft machen… Für viele ist genau das, was mich hindert, das was sie antreibt, was sie an der Wissenschaft lieben.

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Es fing eine schwere Zeit für mich an

Aber genau mit dieser Entscheidung fing eine schwere Zeit für mich an. Ich hätte noch den Schritt des Doktortitels gemacht, wenn die Stelle in Berlin oder Brandenburg gewesen wäre. Dementsprechend habe ich mich auch auf einige sogenannten PhD-Stellen beworben und wurde auch ein paar mal zum Bewerbunsggespräch eingeladen. Aber es sollte einfach nicht sein. Leider war immer jemand besser als ich oder hat besser auf die Stelle gepasst. Und natürlich ist die Anzahl der Stellen auch nur sehr begrenzt. Es gab in einem halben Jahr nur 2-3 Stellen hier in der Region, auf die ich von meinem Forschungsschwerpunkt her gepasst hätte. Das hat mir sehr schnell die Illusion genommen, eine Doktorandenstelle zu bekommen.

So viele Selbstzweifel, sie fressen einen förmlich auf.

Seit Oktober bekam ich Hartz4 und musste natürlich bestimmte Auflagen erfüllen, damit ich weiterhin Geld bekam. Ich musste monatlich eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen schreiben. Da es nicht genug Doktorandenstellen gab, bewarb ich mich auch auf andere Geologie-orientierte Stellen auf dem freien Arbeitsmarkt. Aber leider war ich dafür gar nicht ausgebildet. Mein Studium war zu 100% wissenschaftlich ausgelegt. Ich war sehr gut in dem was ich tat, aber leider war das eben die Wissenschaft, dem was ich nun entgehen wollte.
Da stand ich vor den ersten Problemen. Aber ich hatte mich entschieden und ich wollte die Entscheidung nicht kippen, auch weil ich inzwischen wieder eine Beziehung hatte, die ich nicht riskieren wollte. Aber dazu muss ich sagen, dass die Beziehung alleine nicht der Grund ist, meine Entscheidung fiel schon lange Zeit zuvor.

Es ist so unglaublich schwer dagegen anzukämpfen.

Wenn ich eins in dem letzten halben Jahr gelernt habe, dann, dass arbeitslos sein absolut gar keinen Spaß macht. Da helfen auch keine Sätze wie: “Du musst die Zeit genießen, wenn du arbeitest, wirst du nie mehr so viel Freizeit haben.”
Ja das stimmt vermutlich, aber das Leben ist nicht sehr lebenswert, wenn es kein Ziel gibt. Man wacht morgens auf und es gibt keinen Grund aufzustehen. Natürlich könnte man nun all die Sachen machen, für die man nie Zeit hatte, aber leider fehlt dann meistens das Geld dafür.
Doch das ist nicht das Einzige… man fängt auch an, an sich und seinem Können zu zweifeln. Vielleicht ist man einfach nicht gut genug für die Stellen, vielleicht reicht es einfach nicht, was man während seines Studiums gemacht hat. So viele Selbstzweifel, sie fressen einen förmlich auf.

Ich möchte mich nie wieder so verloren fühlen.

Ich habe sehr gelitten. Die letzten 6 Jahre habe ich nur gelernt und gearbeitet. Ich hatte kaum ungenutzte Zeit. Mein Studium war die beste Zeit meines Lebens. Und nun kam da dieses schwarze Loch, was einen förmlich einsaugt und nichts mehr von einem übrig lässt. Es ist so unglaublich schwer dagegen anzukämpfen. Man hat kaum noch Motivation. Selbst bei Dingen, die mir eigentlich unglaubliche Freude bereiten, musste ich mich überwinden. Eigentlich wollte ich nur noch im Bett liegen und nichts machen, was ich auch an vielen Tagen gemacht habe. Eins weiß ich genau, ich möchte mich nie wieder so verloren fühlen.

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Der langersehnte Lichtblick

Doch letzte Woche gab es dann endlich den langersehnten Lichtblick. Ich habe eine Zusage bekommen. Allerdings bei einer Geologie-entfernten Stelle. Sie hat rein gar nichts mit meinem Studium zu tun. Trotzdem bin ich unglaublich glücklich. Jetzt muss nur noch alles durch die entsprechenden Gremien laufen und wenn da alles gut geht, bekomme ich den Vertrag zugeschickt. Es war so eine Erleichterung. Ich hätte einfach heulen können, weil all die Anspannung der letzten Monate mit einem Mal abgefallen sind.
Die Stelle ist zwar auch nur befristet, gibt mir nun aber die Möglichkeit zu überlegen, wie es weitergehen soll. Ob ich damit nun die Möglichkeit, jemals in der Wissenschaft zu arbeiten, verloren habe? – Vermutlich ja. Tut mir das weh? – Ich denke ein lachendes und ein weinendes Auge trifft es ganz gut.

Das war die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Ob sie richtig oder falsch ist, werde ich wohl erst in ein paar Jahren wissen. Aber muss denn immer alles richtig oder falsch sein? Die Welt ist ja auch nicht nur schwarz oder weiß…

Vielleicht bekomme ich nun die Möglichkeit mich voll und ganz neu zu erfinden, vielleicht werde ich ja doch noch meine kreative Leidenschaft zum Beruf machen. All das sind Türen, die sich geöffnet haben.

Dieser Beitrag ist mir sehr wichtig und fiel mich gleichzeit auch sehr schwer. Die Moral dieser Geschichte ist, dass man versuchen sollte sich daran festzuhalten, dass alles wieder gut wird, denn dass ist meistens so. Ich weiß nicht wie und warum, aber am Ende regelt sich alles. Dieses Fünkchen Hoffnung im Herzen… aber auch die Akzeptanz, dass einige Dinge einfach nicht sein sollen.
Aber ich hätte diese Zeit nicht überstanden, wenn ich nicht so wunderbare Menschen um mich hätte, die mich aufgebaut und mir manchmal in den Arsch getreten haben. Mit solchen Menschen an der Seite kann man alles schaffen ♥

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2 thoughts on “Fertig mit dem Studium und was dann?”

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